Der Teufel trägt…

...Dein Gesicht und meines. Was ich damit andeuten will ist: In letzter Zeit höre und lese ich immer öfters, dass in uns Gott ist, wir gotthaft seien, wir die Buddhanatur haben oder sind. Wenn dem so ist, dann sind wir auch Teufel oder Mara.

 

Das mit Gott oder Buddha sein hört sich ja noch nett an, aber das mit dem Teufel oder Mara?!

 

Es gibt dazu auch eine bekannte Indianergeschichte, bei dem ein Häuptling seinem Sohn erzählt, dass in jedem von uns 2 Wölfe kämpfen. Der eine ist böse und kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Gier, Lügen,... Der andere Wolf ist gut und kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Mitgefühl,...

Der Sohn fragt: "Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?"

Der Häuptling antwortet: "Der, den Du fütterst".

 

Als normalsterbliche Menschen füttern wir wohl beide Wölfe oder sind beide zugleich.

 

Ich für meinen Teil habe den "bösen" Wolf gerne verdrängt, ihn nicht wahrgenommen, oder wahrnehmen wollen. Ich bin doch ein Guter, dachte ich zumindest und da ist kein Platz für den Bösen, den Ärgerlichen, den Aggressiven, den Lügner, den Betrüger, den der an Gewalt dachte,… . Es spielte sicherlich auch ein gewisses Maß an Scham mit, zumal ich und Du wahrscheinlich auch, von Kindheit an immer wieder hörten, das darf man nicht, das gehört sich nicht, genierst Du Dich nicht,… .

 

Und dann sind da noch die Erzählungen der anderen, welche meist das Gute hervorheben oder das Handeln der Anderen, welches meist auch eher den Guten als den Bösen zum Vorschein kommen lassen. Man zeigt sich halt von der Besten Seite…

 

Der Böse (Einbrecher, Gewaltätige, Mörder,…) war immer nur im Fernsehen, oder in der Zeitung zu sehen und für mich war klar, so bin ich nicht, ich bin ganz anders!

 

Dieses positive, aber einseitige Selbst- und Trugbild löst sich seit einiger Zeit langsam auf. Ich schaue bewusst auf die bösen "Teile" (Gedanken, Emotionen) in mir und schiebe sie nicht gleich bei Seite, wenn sie mal da sind. Manchmal erschrecke ich mich dann und habe ein mulmiges Bauchgefühl, weil ich dann erlebe, dass auch ich Gedanken und Emotionen habe, welche dem Einbrecher, Gewaltätigen, Mörder,… wahrscheinlich gar nicht so unähnlich sind.Umgekehrt hat der angeblich Böse wohl viele guten Seiten, welche den meinen ähnlich sind.

 

Das Gute am Hinschauen und mittlerweile mehr oder weniger Annehmen können ist, dass ich mich Frage, welche meiner Bedürfnisse verletzt worden sind. Was "trieb" mich dazu den bösen Wolf zu füttern und vor allem, was kann ich tun, dass meine Bedürfnisse nicht verletzt werden und ich stattdessen den guten Wolf füttern kann? Und wenn sie dennoch verletzt werden, wie kann ich dann damit auf eine gesunde Art und Weise umgehen? Oft fallen mir dann ganz gute Antworten ein :-)

 

Auf alle Fälle identifiziere ich mich nicht mehr (so stark) mit dem guten oder mit dem bösen Wolf, beide leben in mir, sind aber nicht ich…

 

Wie geht es Dir damit? Akzeptierst Du den bösen Wolf "an Deiner Seite", oder denkst Du bzw. weißt Du, dass es diesen nicht mehr gibt? Weißt Du wann und wie Du ihn fütterst?

 

(25.01.2015)

 


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