Während des Ärgerns

Im Beitrag "Auf Ärger vorbereiten" habe ich einige Denkansätze und Handlungen angeführt, die ich vorbereitend tun kann um meinem Ziel näher zu kommen und mich nicht so zu ärgern... aber da es mir wohl nicht gelingen wird mich nie zu ärgern, folgen nun ein paar Ideen was ich tun kann, wenn ich mich mal ärgere. Diese bauen meist auf den oben erwähnten Beitrag auf - also falls Du ihn nicht gelesen hast, wäre jetzt möglichwerweise ein guter Zeitpunkt ;-).


 

Annehmen der Situation und des Ärgers

 

Als erstes würde ich mal sagen ist das Annehmen der Situation und des Ärgers sinnvoll. O.k. meine Gefühle, Bedürfnisse, Werte,... wurden verletzt und ich bin ärgerlich... das verhindert bei mir zumindest das ständige Herumkreisen und wieder aufleben lassen der Situation. Da ich mich angegriffen oder verletzt fühle, empfinde ich Mitgefühl für mich, ich lecke also meine Wunden... armer schwazer Kater...


 

War Absicht im Spiel?

 

Hat mich eine Person "schlecht" behandelt, dann schaue ich mal ob das mit Absicht war, wobei ich eher (aus Erfahrung) nicht davon ausgehe. Das erleichtert für mich die Sache, da ich dann annehmen kann, dass diese Person gerade nicht anders konnte, vielleicht einen furchtbar miesen Tag hatte oder es einfach nicht besser wusste. Damit versuche ich die Situation nicht persönlich zu nehmen.

 

War es doch einmal Absicht der Person mich zu schädigen oder verletzen, dann wird es für mich schwierig! Ich kann eigentlich nur hoffen, dass ich nicht auf diesen Zug aufspringe (also bspw. Rache ausübe,...), da das aus meiner Sicht nur mich schädigt (siehe auch [...]). Wenn ich mich ärgere verletze ich ja auch mich selbst, diese Genugtuung möchte ich dieser Person eigentlich nicht geben.


 

Durchatmen und warten

 

Unabhängig davon ob es nun mit Absicht war oder nicht, wenn Ärger hochkommt, einfach (schön wär's ;-) ) mal durchatmen und nicht gleich den ganzen Mist rauskotzen, vor allem auch nicht auf die andere Person. Ajahn Brahm hat mal in seinen Vorträgen gemeint, man solle 30 Sekunden warten, bevor man reagiert. Das hört sich für mich logisch an, weil dann der erste, wahrscheinlich nicht so angemessene Impuls wohl tlw. vorüber ist. Naja logisch, aber auch sehr schwierig, wenn ich mich an meine Erfahrungen erinnere, am Liebsten würde ich ja dann gleich mit Steinen werfen... wie war das nochmal mit dem Glashaus?


 

Bist Du vollkommen?

 

Ich denke das ist auch nicht unwesentlich in der Situation. Zu wissen, dass man selbst ebenso nicht vollkommen ist und Fehler macht. Wenn man sich das einmal eingesteht, einem das bewusst ist und es annehmen kann, also über seine eigene "Unbeholfenheit" bescheid weiß, dann ist es wohl auch einfacher, das bei anderen zu akzeptieren. Ich zumindest versuche von anderen nicht mehr zu verlangen als von mir selbst.

 

 

Das Blickfeld erweitern

 

Besonders interessant finde ich ist, dass sich das Blickfeld in dem Moment des Ärgers total verengt. Nahezu jede Faser meines Körpers und mein Erleben scheint auf diese ärgerliche Situation und die Person ausgerichtet zu sein. Ich fokusiere total darauf! Allerdings gibt's da ja noch mehr, die ganzen guten Dinge rundherum... also durchatmen und mal innerlich einen Schritt zurücktreten, mehr sehen als nur diesen meist kleinen Ausschnitt unseres Lebens. Das ist für mich sehr hilfreich, sofern es mir gelingt. Und besonders dann, wenn diese Person eine liebe ist, oftmals werden im Augenblick des Ärgers all die "guten" Eigenschaften der Person ausgeblendet.

 

 

Spielerisch und kreativ sein

 

Einmal bekam ich einen Tipp von jemanden, der im Bezug auf "Ärger loslassen" aus meiner Sicht schon weiter ist als ich. Er meinte, ich soll spielerisch, kreativ, in vorerst "einfachen" Situation und auch kurz davor (sofern ich eine gefährliche Situation erkenne) damit umgehen. War gar nicht so einfach für mich, diesen Tipp anzuwenden, bis ich an Rumpelstilzen dachte. Hin und wieder sehe ich mich dann schreiend und hüpfend... da ist es zu einem Schmunzeln nicht mehr weit :-) Oder aber auch, dass ich mit mir Wette wie lange ich wohl diesmal ärgerlich sein kann, schaffe ich einen neuen Rekord? Damit übernehme ich die Verantwortung für das Ärgern und das öffnet mir andere Möglichkeiten.

 

 

Über Ärger ärgern

 

Eines noch: Da ich mich ja nicht mehr ärgern will oder wenn nicht mehr so intensiv , passierte es mir anfangs, dass ich mich über meinen Ärger ärgerte. Verdammt ich mag mich ja nicht mehr ärgern, hör' auf damit,...! Naja war keine erfolgreiche Strategie, lieber doch einfach ärgern und dann wenn ein wenig Ruhe eingekehrt ist reflektieren, was los war und was mir beim nächsten Mal helfen könnte.

 

Was hilft Dir in der Situation des Ärgers, um diesen zu verkürzen oder nicht so intensiv zu erleben? Oder denkst Du, das Ausleben des Ärgers ist noch immer die beste Möglichkeit?

 

(10.03.2015)


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