Auf Ärger vorbereiten

 Obwohl ich immer wieder höre, dass Ärger tief verwurzelt in uns ist, dass es normal ist sich zu ärgern, habe ich mich entschieden, dass zumindest ich meinen Ärger soweit wie möglich reduzieren mag.

 

Und da es kaum möglich ist, dass ich alle soweit bringe, dass sie nur noch Sachen machen, die mich nicht ärgern, werde ich wohl bei mir selbst ansetzen müssen, das hätte ja dann den selben Effekt ;-)

 

Da gibt's übrigens auch eine Geschichte, welche gut dazu passt. Eine Prinzessin ging barfuß einen Weg entlang. Dieser Weg war voll von spitzen Kieselsteinen und Dornen, welche die Prinzessin verletzten. Dies ärgert die Prinzessin und sie verlangte, dass alles mit weichem Leder überzogen werden sollte. Die ganze Welt mit Leder zu über ziehen war natürlich nicht möglich! Schließlich kam ein schlauer Berater auf die Idee die Füße der Prinzessin mit Leder zu überziehen.


 

2 Zeitpunkte

 

Aus meiner Sicht gibt es zwei Zeitpunkte an denen ich einhaken kann. Erstens bevor der Ärger überhaupt auftaucht und zweitens, wenn er da ist. Bei ersterem geht's mir darum erst gar nicht ärgerlich zu werden und bei zweiterem, dass dieser nicht so intensiv ist oder lange anhält.

 

Dann widme ich mich mal dem ersten Zeitpunkt, da gibt's ja einiges woran man den Hebel ansetzen kann, allerdings, Überraschung, das geht nicht von heute auf morgen... also zumindest nicht bei mir...


 

Ausgeglichen und Friedvoll sein

 

Ist Dir eigentlich schon aufgefallen, dass wenn Du ausgeglichen & friedvoll bist, wenn Du so richtig glücklich bist, dass Dich nichts so leicht aus der Bahn werfen kann? Auch wenn dann eine Situation ist, welche normalerweise ärgerlich ist, steht man einfach drüber. Umgekehrt, wenn es stressig, hektisch ist, wenn Du von Deiner "Mitte" schon weit entfernt bist, dann reicht eigentlich schon ein kleiner Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.

 

Na bitte, also einfach mal ausgeglichen, friedlich und glücklich werden... kann ja nicht so schwer sein, oder :-)


 

Meditieren und Mitgefühlpraxis

 

Für mich gibt da der Buddhismus einige Antworten. Meditieren hilft, ebenso Atem- & Entspannungstechniken. Auch wenn ich in der Früh nur 15 min meditiere habe ich ein gewisses Maß an Ausgeglichenheit, welche sich in den Tag hineinzieht. Wenn dann einmal eine Situation ist, die im Sinne des Ärgerns herausfordernd ist, dann hilft mir eine tiefe Bauchatmung. Da spüre ich meist auch gleich, ob und wie sehr ich verkrampft bin. Meist zeichnet sich bei mir eine Anspannung an der Bauchdecke an.

 

Die Mitgefühlpraxis ist, obwohl vielleicht nicht gleich ersichtlich, auch ein Schritt in die richtige Richtung, ebenso wie liebende Güte. Je öfter und intensiver ich mich darin übe, desto leichter fällt es mir, anderen offener und positiver gegenüber zu stehen, auch in nicht so leichten Situationen.


 

Gleichmut und Geduld

 

Und für mich ist das Wesentlichste im Zusammenhang mit Ärger das Erlangen von Gleichmut! Meist im Rückblick von meinem Ärger, ist die Situation nicht so arg gewesen, wie es in dem Augenblick schien. Zumindest war mein Leben nicht in Gefahr, auch nicht weniger wichtiges wie mein Besitz,... . Eigentlich selten war es was wesentliches überhaupt, was nicht in Ruhe danach angesprochen werden hätte können.

 

Was mich zum nächsten Punkt führt, das Lernen von Geduld... ich meine damit, dass wenn ich mich dann in so einer ärgerlichen Situation befinde, nicht gleich im Ärger handeln muss, sondern die Geduld habe, bis der ärgste erste Impuls vorüber ist, bis ich wieder einen klaren Gedanken fassen kann. Ich neige dazu "alles" sofort so haben zu wollen, wie es mir passt. Keine "gute" Eigenschaft im Bezug zu Ärger, so wie ich das erlebe :-)


 

Bedürfnisse, Werte und Erwartungen

 

Die Beschäftigung mit den eigenen Bedürfnissen, Werten und Erwartungen ist hilfreich, vor allem dann, wenn diese zu hoch sind, also der Realität nicht standhalten können. Und was mir im Vergleich zu den anderen Sachen erst spät bewusst wurde, zu erkennen und annehmen zu können was und wie man ist, somit sich selbst bewusst ist, zu sich steht, ist im Bezug zu Ärger sehr hilfreich (siehe auch [...]).


 

Auf Situation einstellen

 

Ich habe so einige Erlebnisse, bei denen ich mich immer wieder ärgere, das sind meist banale Dinge. Hier ist es für mich hilfreich mich auf die Situation einzustellen. Wenn ich weiß - Achtung hier kommt gleich wieder eine gefährliche Situation! - dann kann ich mich ein wenig darauf vorbereiten. Einmal tief durchatmen, achtsam sein und wenn die Situation dann eintrifft, packe ich den Ärger gleich bei der Gurgel und schüttle ihn mal kräftig durch... ne, das tue ich nicht ;-), aber die Vorbereitung auf die Situation hilft mir ungemein, es verhindert meist irgendwie dieses automatische Reiz-Reaktion Verhalten.


 

Die "Schuldfrage"

 

Zu guter Letzt die "Schuldfrage": Mittlerweile denke ich, dass diese das Unnötigste überhaupt ist, obwohl ich sie immer wieder antreffe, bei mir oder bei anderen, egal ob im Privat- oder Arbeitsleben. Immer mehr gehe ich davon aus, dass jeder nach seinen Fähigkeiten, Handlungsmöglichkeiten, Bedürfnissen,... handelt. Diese sind vor allem durch die Vergangenheit der jeweiligen Person geprägt, mit welchen Eltern, Freunden, in welchem Umfeld,... sie aufgewachsen ist. Ich denke, ich habe in diesem Bezug viel Glück gehabt! Aber ich mag anderen nicht vorwerfen, dass diese dieses Glück nicht hatten. Ist das nun eine Entschuldigung oder Rechtfertigung für "negatives" Handeln. Für mich schon zu einem großen Teil, zumindest kann man/ich nicht so einfach aus seiner Haut heraus. Das soll allerdings nicht heißen, dass ich nicht ein gewisses Maß an Anstrengung erwarte, möglicherweise ändert sich das allerdings auch noch...

 

Fallen Dir noch weitere Denkansätze und Handlungen ein, die dem "Nicht-Ärgern" dienen? Was hältst Du von den von mir geschriebenen "Maßnahmen"?

 

(04.03.2015)


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