Vier edle Wahrheiten - Du kennst sie und wendest sie an

 

Stimmt nicht, meinst Du? O.k. vielleicht nennst Du sie anders - vielleicht ist es Dir nicht bewusst. Im Prinzip bist Du ihnen schon dutzende Male gefolgt. Du glaubst mir noch immer nicht? Dann werde ich es Dir beweisen. Also, wie lauten die vier edlen Wahrheiten:

 

1. Die Wahrheit vom Leiden

2. Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens

3. Die Wahrheit von der Auflösung des Leidens

4. Die Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Vorgehen

 

Möglicherweise sagt Dir das noch nicht viel. Und vielleicht fragst Du Dich nun: Wann soll ich das angewandt haben? Ich wüsste nicht einmal wie? Gedulde Dich noch ein wenig. Zuerst blasen wir noch ein wenig Staub von den Wörtern.

 

Die Wahrheit vom Leiden

Leiden existiert - Punkt. Eigentlich könnte ich hier schon aufhören.


Du erwartest mehr? Du fragst Dich was das jetzt soll? Vielleicht beginnst Du Dich sogar schon ein wenig zu ärgern, dass Du den Blogartikel begonnen hast zu lesen? Siehst Du, auch das kann Leid sein.


Traditionellerweise wird im Buddhismus zu diesem Punkt folgendes aufgezählt: Geburt, Krankheit, Alter, Tod. Babys schreien, wenn sie auf die Welt kommen - Menschen jammern wenn sie krank sind - im Alter funktioniert nicht mehr alles im Körper wie es "sollte" - ja und dann wäre da noch der eigene Tod.


Ist das alles? Nein, leider nicht, schön wäre es… Da ist noch: Etwas Doofes an der Backe haben und etwas sehnlich Gewünschtes nicht erhalten - oder klassischer ausgedrückt - mit Unliebem vereint sein und von Liebem getrennt sein.


Typischerweise drückt sich das in Gefühlen wie: Ärger, Stress, Wut, Zorn, Sehnsucht, Eifersucht, Trauer, Langeweile… aus. Schon mal erlebt? Leiden existiert.


Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens

Der Grund weshalb Du und ich leiden ist: Wir wissen es nicht besser. Traurig, aber wahr. Im Buddhismus wird das höflich mit Verblendung umschrieben. Wir können die Gründe weshalb wir leiden oftmals nicht klar sehen. Und selbst wenn wir sie sehen, sind wir manchmal nicht fähig klar zu denken und zu handeln.


Es fehlt uns einfach an Kompetenz. Die kann allerdings erlernt werden - darum geht es ja in der 4-ten Wahrheit. Und genau darum geht es ja auch in diesem Blog.


Und weil wir nicht klar sehen können empfinden wir Durst - wieder so ein traditioneller Begriff. Dieser Durst kann in seiner Form leicht, oder ein Kehle austrocknender Durst sein. Folgen von diesem Kehle austrocknenden Durst sind Gier und Hass - etwas Haben-Müssen und etwas total Ablehnen.


Ich wähle hier bewusst "müssen" und "total". Es soll bei Dir nicht ankommen, dass Du Dir aus buddhistischer Sicht nichts mehr wünschen kannst oder darfst.


Die Wahrheit von der Auflösung des Leidens

Du und ich haben die Möglichkeit für Wohlbefinden, für ein glückliches Leben. Ist nichts neues, oder? Es geht aber weiter. Es ist uns möglich ein durchgängiges Wohlbefinden zu haben, ein dauerhaft glückliches Leben zu führen. Es kann so weit gehen, dass Leid für uns keine Rolle mehr spielt. Fühl mal hinein, wäre das nicht toll?


Das kann erreicht werden, wenn sich der Morgennebel lichtet. Wenn die Sonne diesen grauen Schleier der Unwissenheit durchdringt. Wenn wir das richtige Getränk nehmen, um den oben genannten Durst für immer zu löschen. Ist kein Durst mehr da, bleibt Wohlbefinden und Glück übrig - das ist die Behauptung, dorthin soll es führen.


Manchen Sachen im Leben entkommen wir allerdings nicht, dem Tod, Krankheit, Verletzungen,… - widerspricht sich das dann nicht? Dazu die Metapher von den 2 Pfeilen.


Stell Dir vor es trifft Dich ein Pfeil. Du verspürst einen Schmerz - dieser Schmerz kann nicht verhindert werden.

 

Allerdings bleibt es nicht dabei, es trifft Dich unmittelbar danach ein 2-ter Pfeil und Du verspürst Leid. Das eigenartige ist, dass Du selbst diesen 2-ten Pfeil abschießt - und dieser kann vermieden werden. Was ist dieser 2-te Pfeil? Es ist der Umgang mit der Situation. Wieso passiert mir das? Das ist eine Frechheit! Wer erlaubt sich so was? Ich hasse es. Es ist so furchtbar. …


Und genau um diesen 2-ten Pfeil geht es. Du kannst vermeiden diesen immer und immer wieder abzuschießen. Wie? Das folgt in der nächsten und letzten Wahrheit.

 

Die Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Vorgehens

Ich hoffe, Du erwartest Dir jetzt nicht eine instant Lösung. Ist ja auch so ein Ding mit den Erwartungen - wenn sie nicht erfüllt werden, dann kann das auch zu Leid führen.


Der Buddhismus gibt hier einen 8-fachen Pfad vor, mit einer Menge an Vorschlägen und Handlungsanleitungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Inhalt und die Umsetzung nicht so einfach sind. Weshalb? Wenn es so einfach wäre, dann wäre das Leiden, oder besser ein durchgehend zufriedenes und glückliches Leben führen, ja kein Problem!


In diesem Blogeintrag einmal die reine Aufzählung:


8-facher Pfad

1. Rechte Ansicht

2. Rechte Gesinnung

3. Rechte Rede

4. Rechtes Handeln

5. Rechter Lebenserwerb

6. Rechte Anstrengung oder Bemühung

7. Rechte Achtsamkeit

8. Rechte Konzentration


Folgst Du diesem Pfad, kannst Du Leiden überwinden. Schritt für Schritt wird Dein Leben weniger Leid aufweisen. Du wirst zufriedener, ausgeglichener und glücklicher. Dieser Pfad besteht schon hunderte Jahre und hat sich bewährt.


Zu den einzelnen Punkten werde ich wohl eigene Blogartikel schreiben, das würde hier sonst den Rahmen sprengen.

 

Nun aber…

 

Der Beweis, dass Du das Prinzip kennst und auch anwendest

 Falls Du Dich noch erinnern kannst. Ich habe behauptet, Du kennst das Prinzip der 4 edlen Wahrheiten und wendest es auch an.


Stell Dir vor: Dir ist furchtbar übel. Du erbrichst vielleicht sogar. Was tust Du?

 

1. Du stellst Deine Übelkeit einmal fest. Du fühlst sie - Du nimmst sie wahr.

 

2. Du fragst Dich, was Du wohl gegessen oder getrunken hast, dass Dir so schlecht ist. Dann erinnerst Du Dich daran - erkennst also die Ursache.

 

3. Du bist Dir sicher, dass die Übelkeit wieder vergehen kann. Dass wieder alles o.k. wird. Gleichzeitig wird Dir auch klar: Es gibt Möglichkeiten, damit Dir aufgrund dieser Ursache nicht mehr schlecht wird.

 

4. Jetzt und hoffentlich auch in Zukunft, wendest Du diese Möglichkeiten an.

 

Falls Dir das zu weit hergeholt ist, auf das wesentliche reduziert:

  •  Du erkennst ein Problem
  •  Du erkennst die Ursache des Problems
  •  Du weißt, dass das Problem lösbar ist
  •  Du setzt die Schritte um das Problem dauerhaft zu lösen


Das ist es im Grunde.

 

Falls Du der Meinung bist, das war kein Beweis, dann schreibe mir ein Kommentar. Wenn Du denkst: Oha, so habe ich das ja noch nie gesehen, dann schreibe mir auch ein Kommentar. Ach was, egal was Du Dir jetzt denkst, schreibe mir, ich freue mich darauf.

 

(17.06.2015)



Weitere Blogartikel zu den "Vier Edlen Wahrheiten":

Netzbuddhist

Unterwegs mit Buddha



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Kommentare: 2
  • #1

    Netzbuddhist (Samstag, 04 Juli 2015 22:18)

    Hallo Jürgen,
    dein Beispiel am Ende des Artikels fand ich sehr anschaulich. Gerade bei körperlichen Beschwerden akzeptieren wir es ehr, dass wir ein Problem haben, was wir auch lösen wollen. Wenn wir die Ursache des Problems erkennen, dann sind wir schon ein großes Stück weiter.

    Ich freue mich über jeden Buddhismus Artikel der das Leben der Menschen bereichert. Dir alles liebe und weiterhin viel Erfolg!
    Wasana

  • #2

    Jürgen (Sonntag, 05 Juli 2015 08:14)

    Hallo Wasana,

    danke für Deinen Kommentar. Ja, sehe das auch so. Oftmals werden Emotionen wie Ärger, Hass, Abneigung, ... nicht so sehr als Problem angesehen, sondern als "natürliche" und angemessene Reaktion auf die Umwelt...

    Danke & ganz liebe Grüße an Dich!
    Jürgen