Rechte Gesinnung

(Rechtes Denken, Rechtes Bestreben, Rechte Absicht; Rechte Motivation, Rechte Entschlossenheit)


Nach Rechter Erkenntnis ist Rechte Gesinnung das 2-te Glied des Achtfachen Pfades. Beide zusammen bilden den Abschnitt der Weisheit.


Mittels Rechter Erkenntnis sollen Dinge und Erlebnisse so wahrgenommen werden wie sie sind – eine ausführliche Beschreibung findest Du [hier]. Darauf basierend ist Rechte Gesinnung der Entschluss oder die Absicht unsere Gedanken in folgende Richtung zu lenken und zu festigen:

 

  • Vereinfachung / Entsagung
  • Wohlwollen / Nicht Übelwollen
  • Mitgefühl / Nichtschädigung (anderer Lebewesen)

 

Unsere Gedanken sind deswegen so bedeutend, da diese relevant für unsere Rede und unser Handeln sind sowie wir unseren Lebensunterhalt verdienen. Diese sind in den nachfolgenden 3 Gliedern des 8-fachen Pfades enthalten.


Unsere Absicht, also unsere Gedanken weshalb wir etwas sagen oder tun, ist somit wesentlich. Diese kann heilsam, neutral oder unheilsam sein. Basiert die Absicht auf Entsagung, Wohlwollen und Nichtschädigung wäre sie heilsam. Im Gegensatz dazu wäre eine Absicht, welche auf Gier, Hass und Gewalt beruht unheilsam.


Aber was steckt nun hinter den Begriffen der Entsagung, des Wohlwollens und der Nichtschädigung?

 


Gesinnung zur Vereinfachung


Sein Leben zu vereinfachen bedeutet, nicht etwas nachzulaufen, was einem nicht glücklich macht. Entsagung meint in diesem Zusammenhang das Überwinden von Neid und Gier bzw. Begierde. Dies ist nicht gleich zu setzen mit Verzicht.


Damit ist nicht gemeint, dass wir keine Wünsche mehr haben oder nach etwas streben sollen. Leider wird dies in diversen Diskussionen, Foren oder Blogs aus meiner Sicht immer wieder vermittelt.


Vielmehr geht es darum, dass Wünsche und Bestrebungen auf Basis von Erkenntnis oder Einsicht nicht nur in Ordnung, sondern auch wünschenswert sind. Lediglich den auf Unwissenheit begründeten Wünschen oder Bestrebungen sollte entsagt werden.


In diesem Zusammenhang ist auch die Beziehung zu den Wünschen relevant. Handelt es sich um ein Haben-Müssen oder Haben-Wollen. Ersteres zeichnet sich durch zwanghaftes Verlangen aus, welches selbstverständlich zu einem Maß an Leiden führt - vor allem, wenn der Wunsch nicht in Erfüllung tritt.


Handelt es sich um ein Haben-Wollen und ist dieses auf Basis von Erkenntnis begründet, dann ist das durchaus in Ordnung – sofern es kein Leid verursacht, wenn der Wunsch nicht in Erfüllung geht. Also ob losgelassen werden kann.


Beispiel: Auch wenn es mehr als unwahrscheinlich ist, dass ich Erleuchtung erlange und ich wahrscheinlich auch an Grenzen meines buddhistischen Verständnisses stoßen werde, ist dieser Wunsch aus meiner Sicht wünschenswert.


Aus meiner Sicht ist gerade das Thema der Entsagung in unserer Konsum- und Überflussgesellschaft mit Ihrer Alles-Sofort-Haben-Wollen-Mentalität aktueller denn je.


Pflege Dein Herz und Deine Psyche, dies ist wichtiger als das Ansammeln von Geld und Gegenständen!


Was braucht es um glücklich zu sein?

 


Gesinnung zum Wohlwollen und Mitgefühl


Wie bei den „Vier edlen Wahrheiten“ geht es darum eigenes und fremdes Leid zu vermeiden. Dies wird bei der Gesinnung zum Wohlwollen dadurch erreicht, dass unsere Gedanken und Absichten frei von Abneigung, Ärger, Hass und Wut sind. Darauffolgend unsere Rede und unser Handeln in angemessener, also nicht schadenwollender Art und Weise erfolgt. Jegliche Absicht von Gewalt und Verletzung soll überwunden werden.


Positiv ausgedrückt: es handelt sich um das Streben und Kultivieren von Glück von einem Selbst und von Anderen. Aus meiner  Sicht stellen die „Vier Unermesslichen“ sehr gut die Gesinnung zum Wohlwollen dar. Diese vier sind: liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut.


Auch hier erscheint mir unsere Gesellschaft viele Herausforderungen zu bieten. Die Polarität zwischen Individualität und Gemeinschaftssinn, Arm-Reich, Linke-Rechte Gesinnung, Ausländer-Einheimische, Religionen, … ist oftmals eine Herausforderung für die „Gegenseite“ Wohlwollen zu empfinden.


Sitzen wir alle im selben Boot?

 


Wirkungszusammenhänge


Die Glieder des edlen achtfachen Pfades bedingen einander. Du kannst Dir das wie bei einer Spirale vorstellen. Mit jedem Durchlauf kommst Du der Mitte näher, dringst tiefer zum Kern der Lehre vor.


Die intensivere Auseinandersetzung mit einem Glied hat Einfluss auf die anderen Glieder.


Beginnend mit Rechten Erkenntnis als Einstieg ist es Dir immer besser möglich zu erkennen, welche Gedanken und Absichten heilsam im Sinne der Rechten Gesinnung sind.


Deine Gedanken und Absichten haben Einfluss auf Deine Worte, Taten und die Art und Weise wie Du Deinen Lebensunterhalt gestaltest.


Sind Dir Rechte Erkenntnis, Gesinnung, Rede, Tat und Rechter Lebensunterhalt bekannt, kannst Du Dich darin üben – Anstrengungen unternehmen diesem Weg zu folgen.


Unterstützend dabei ist Achtsamkeit. Das Bewusstwerden von körperlichen Funktionen, Sinnesreizen, Affekten und Denkinhalten hilft dabei genauer hin zu sehen, aber auch Ursachen-Wirkungszusammenhänge zu erkennen.


Zu guter Letzt dient die rechte Sammlung den unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren. Damit Du ein gewisses Maß an Ruhe gewinnst und möglichst unabhängig von Gefühlsfärbungen Erkenntnisse erlangst.

 


Abschließende Zusammenfassung


Eine rechte Gesinnung ist die Absicht unglücklich machende Gedanken zu verringern. Eine Vereinfachung des eigenen Lebens auf das Wesentliche zu bewirken. Weder sich selbst, noch anderen Leid zufügen zu wollen. Dies kannst Du dadurch erreichen, dass Du Anhaftung (Gier, Neid,…) und Abneigung (Ärger, Hass, Wut,…) ablegst. Stattdessen strebst Du nach Deinem eigenen Glück und das Glück anderer. Mittels Großzügigkeit und Liebe (liebende Güte, Wohlwollen,…) welche Du Dir und anderen gegenüber pflegst.

(11.12.2015)


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