Fünf Silas

5 Regeln denen ich auf meinem buddhistischen Weg folgen soll. Ist doch easy... dachte ich. Auf dem 1-sten Blick war es dann auch so. Auf dem 2-ten Blick kam dann ein wenig Verzweiflung hoch. Ich schaute tiefer und plötzlich fand ich einige Verhaltensweisen, welche entgegen den Regeln waren. Zumindest so wie ich sie interpretiere. Ich beobachtete meine Taten weiter. Ich war unsicher. Konnte tlw. meine Handlungen nicht mehr so richtig einordnen - verletze ich damit die Regeln nun, oder nicht? Dachte über vergangenes nach. Schlussendlich fragte ich mich: Bin ich tatsächlich so ein schlechter Mensch?

Glücklicherweise hatte ich mich davor schon intensiver mit Mitgefühl beschäftigt. Das half mir und hilft mir noch immer, wenn ich mal wieder Mist baue und aus meiner Haut nicht raus kann. Weshalb? Ich bringe mir selbst Mitgefühl entgegen zeige Verständnis für meine Unvollkommenheit. Verurteile mich nicht. Damit kann ich leichter annehmen, dass ich noch Fehler mache und wohl auch weiterhin machen werde. Dass ich vielleicht eine Handlung falsch einschätze und im nachhinein erst erkenne, dass ich wieder einmal gegen eine Regel verstoße.

Was sind und waren nun die Schwierigkeiten?

 


1) Ich will keine Wesen töten oder verletzen.


Auf friedliche Weise will ich mit mir und anderen umgehen.
Alles Leben will ich schützen und fördern, so gut ich es vermag.

Hört sich doch gar nicht so schwierig an, kein Wesen zu töten, oder zu verletzen. Früher hatte ich, wenn auf mir eine Gelse saß, einfach mal zugeschlagen. Genauso ging ich eigentlich mit Spinnen im Wohnraum um. Eigentlich mit allem, was in der Wohnung so herum lief, also außer mit Menschen. Mache ich nicht mehr - zuschlagen meine ich.

Dann hatte ich letztes Jahr eine Ameisenstraße in der Wohnung. O.k. nicht gerade angenehm. Also weg mit allem essbaren, schauen, dass keine Brösel & co. mehr herumliegen. Vor allem auch Schokolade, die ich liebe! Es dauerte Tage, die Ameisen fanden immer neue Wege und essbares. Dann dachte ich o.k. jetzt gibt's nichts mehr... was für ein Irrtum! Ich wußte nicht, dass Ameisen das Wachs von Teelichtern lieben O_o Also diese auf die Terrasse... . Jetzt aber... ne... gibt's ja nicht, die Tropfen des Olivenöls die auf der Flache waren, waren das nächste Ziel... egal was ich versuchte, sie fanden immer was neues. Tja meine Nerven lagen nur für eine kurze Zeit blank und.... was soll ich sagen... :-\

Anfang Dezember ähnliches. Eine Spinne im Bad. Normalerweise lasse ich sie einfach dort. Aber die war mir eine Spur zu groß... Draußen war es schon kalt... kann ich die dann rausgeben? Überlebt die das? Ich hab's gemacht, ohne es wirklich wissen zu wollen.

Letztens im Garten. Ich grabe um und es erwischte einen Regenwurm , dann trat ich beim Gehen auf eine Schnecke. Fahre mit dem Auto und sehe was alles auf der Windschutzscheibe "landet".

Ja und dann bin ich noch kein Vegetarier. Ich esse zwar weniger Fleisch und Fisch als früher, aber dennoch regelmmäßig. Da hilft es mir wenig, dass ich nicht aktiv töte.

Und das bisher geschriebene bezieht sich auf das Töten und Verletzen. Da fehlt ja dann noch der aktive "heilsame" Teil - friedlich mit mir und anderen umgehen, Leben schützen und fördern. Das wäre wohl buchfüllend, was ich hier noch tun könnte.

 


2) Ich will nichts nehmen, was mir nicht gegeben wird.


Sorgfältig will ich mit dem umgehen, was ich bekomme und großzügig will ich das geben, was mir gehört um anderen zu helfen.

Also ich soll nicht stehlen. Mache ich nicht - auf den 1-sten Blick. Dann denke ich sofort auf an den Fussabdruck. Ich lebe in Österreich und soweit ich das mit dem Fussabdruck verstanden habe, verbraucht ein durchschnittlicher Österreicher mehr als das 2,5-fache an Ressourcen, was die Welt so "hergibt", oder besser - was von Ihr genommen wird. Ob ich nun ein wenig darüber oder darunter bin, weiß ich nicht. Auf alle Fälle bin ich weit über den Wert 1, da bin ich mir sicher.

Wenn ich meine Sachen in meiner Wohnung ansehe, dann kann von sorgfältig umgehen kaum die Rede sein. Ich kaufe zwar immer weniger und nutze das gekaufte immer mehr, dennoch ist vieles sicherlich nicht notwendig, eigentlich fast nichts. Wenn ich etwas kaufe lege ich Wert auf Qualität, das kostet meist. Allerdings forsche ich selten bis nie nach, ob bei den Rohstoffen oder der Produktion Wert auf soziale Standards oder die Umwelt gelegt wird. Wobei beim Essen greife ich immer öfter zu BIO und Fairtrade.

Finanziell geht es mir gut. Ich spare regelmäßig. Ich spende auch. Mein Vorsatz ist, dass ich 5% von dem was ich in einem Jahr gespart habe, für wohltätige Zwecke spende - mindestens aber EUR 360,- (Patenkind). Das habe ich die letzten Jahre so gemacht. Ist das genug? Könnte es nicht mehr sein? Was wäre mit 10% oder 20% - und schon bekomme ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich bin anscheinend noch nicht so weit.

Da fällt mir gerade ein: Ist es erlaubt von Youtube Videos runter zu laden? Sollte wohl noch einmal nachlesen.

 


3) Ich will durch mein sexuelles Verhalten niemandem schaden.


Ich will die Beziehungen meiner Mitmenschen respektieren und ihnen helfen, ihr Glück zu bewahren.

O.k. ein Thema, das mittlerweile wohl mehr oder weniger in Ordnung geht. In der Vergangenheit habe ich mich auch in Frauen verliebt und geflirtet, welche eine Beziehung hatten. Mittlerweile denke ich, dass ich das hinter mir lassen kann. Aber wer weiß, wenn Amors Pfeil direkt trifft? Falls es doch noch einmal sein sollte, hoffe ich, dass ich früh genug Distanz halte.

Was ist eigentlich mit legalen Pornos und Soft-Pornos - was mit Prostituierten? Letzteres habe ich noch nie "genutzt" und habe es auch nicht vor. Sind die ersten beiden eigentlich o.k.? Ganz freiwillig wird das wohl nicht immer sein...

 


4) Ich will darauf achten, mit Worten nicht zu verletzen.


Ich will nur das sagen, was wahr und hilfreich ist.

Vom Tratsch und Klatsch entziehe ich mich meist. Selten folge ich dem noch. Was ist mit "Notlügen"? Im Großen und Ganzen schaffe ich es auch schon, diese nicht mehr zu nutzen. Allerdings fällt mir hin und wieder auf, dass ich statt "Ich will nicht…" Ich kann nicht…" sage. Also bspw.: "Ich kann nicht kommen, ich habe schon was vor". Oder: "Ich muss noch…". Eigentlich ist das auch nicht korrekt. Meist ist das eine Entscheidung - also würde: "Ich will nicht kommen, da ich ein anderes Treffen habe, welches ich lieber wahrnehme." mehr der Wahrheit entsprechen. Das würde allerdings wieder verletzen. Zumindest ist das eine Vermutung, die nicht so fern der Realität ist, so glaube ich.

Also wahr, hilfreich und möglichst nicht verletzen. Für mich mitunter ein gordischer Knoten. Ich weiß nicht immer was wahr ist, ich bin dabei, näher an die "Wahrheit" zu gelangen. Ob es hilfreich und nicht verletztend ist, liegt auch am Empfänger der Message. Ich bin, gerade bei schwierigeren Themen, dazu noch nicht fähig, zu erkennen ob dies alles nun zutrifft. Im Augenblick kann ich mich da meist nur auf meine Absicht beziehen.

 


5) Ich will mich von allem abwenden, was mich in einen berauschten und benebelten Zustand versetzt.


Ich trinke noch Alkohol. Kein Vergleich zu früher - sowohl an Menge als auch Häufigkeit. Stärkere Drogen nehme ich nicht. Für mich ist der Konsum von ein wenig Alkohol in Ordnung, noch. Ich weiß, dass ich dadurch nicht aggresiv oder verletzend werde. Aber klar, die Achtsamkeit schwindet bei mir immer mehr.

Obwohl es sich hierbei eher um das einnehmen von Drogen handelt, soweit ich es verstehe, gibt es ja noch anderes was einem benebeln kann - Sex zum Beispiel, oder intensiver Tanz, zweiteres habe ich zumindest gehört. Wenn ich dem Gedanken weiter folge, dann geht es ja auch eben um die oben genannten Achtsamkeit. Und da muss ich sagen, gibt es dutzende Ablenkungen, die mich in einen "benebelten" Zustand bringen. Computerspielen war früher etwas, wo ich ziemlich neben mir stand.

 


Was lerne ich daraus?

Der Weg ist für mich noch lange. Er ist nicht einfach. Ich bin Mensch, kein erleuchteter, aber auch nicht schlecht. Es fehlt mir an Weisheit und Anstrengung - an Achtsamkeit und Sammlung. Das Vertrauen auf den buddhistischen Weg habe ich. Das erinnert mich an die 5 Fähigkeiten (Indriya) oder 5 Kräfte (bala), welche zu den 37 Aspekte des Erwachens zählen. Aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.

 

Was hältst Du von den 5 Silas? Kannst und willst Du danach leben?


(16.03.2015)


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