5 Fähigkeiten

oder Heilssinne, Grundkräfte

 

Welche sind diese 5 Fähigkeiten? Was ist so besonders daran? Weshalb empfinde ich eine große Begeisterung, wenn ich mich mit ihnen beschäftige?

 

Ich bin seit ca. einem Jahr eingetragener Buddhist. Habe mir selbst diesen „Stempel“ verpasst. Ich werde immer wieder mal gefragt: „Weshalb hast Du Dich eintragen lassen? Kannst Du das nicht so praktizieren?“ Bisher habe ich einfach gesagt: „Ja, ich kann das auch so praktizieren. Es ist nicht notwendig, aber ich will mich einfach bekennen.“

 

Weshalb? Ganz klar. Ich will weil, ich habe…

 

 

1. Vertrauen, Glauben und Überzeugung

Ich vertraue auf Buddhas Weg. Ich vertraue der Lehre, die er uns geschenkt hat. Ich vertraue auf die Gemeinschaft, die diesem Weg folgt.

 

Es ist kein blindes Vertrauen. Ich bin ein sehr kritischer Mensch. Ich muss erleben können, was mir erzählt wird. Ich muss hinterfragen können und möchte Antworten. Möglichst konkrete. Ich möchte das neu Erlernte anwenden können, in alltäglichen Lebenssituationen.

 

Und all das kann ich. Ich hinterfrage, bekomme Antworten, probiere sie aus. Fühle hinein. Beobachte. Ich merke, dass sich Einstellungen zum Besseren ändern. Ich bin offener, friedvoller, ausgeglichener,… als früher. Ärger kommt nicht mehr so oft vor, wenn dann weniger intensiv und kürzer. Ich kann mehr annehmen, lehne weniger ab. Lache öfters und empfinde mitunter eine tiefe Zufriedenheit. Manchmal einfach so, ohne, dass ich gerade was besonderes erlebe.

 

Glaube ich an alles, was gelehrt wird. Nein. Ich glaube nicht an Wiedergeburt in dem Sinn, dass etwas direkt auf die neue Person übergeht, Karma zum Beispiel. Glaube ich an die Götter- und Höllenwelten? Nein auch nicht. Ich schließe aber auch nichts aus. Vielleicht erfahre ich für mich noch einen gültigen Beweis, vielleicht auch nicht.

 

Auf alle Fälle ist mein Vertrauen, welches auf erlebtes basiert, so groß, dass ich den Weg weiter folge. Und das ist auch notwendig für die 2-te Fähigkeit. Weil ich vertrauen habe, habe ich…

 

 

2. Tatkraft, Willenskraft und Anstrengung

Es vergeht mittlerweile kaum ein Tag, an dem ich nicht zumindest in ein, zwei Situationen an mir arbeite. Meist durch Reflektion meiner Gedanken und Handlungen. Ich übernehme immer mehr Verantwortung für mein Leben. Wie ich mein Leben gestalte. Wie ich mein Leben sehe. Wie ich es empfinde.

 

Verspüre ich Ablehnung, bspw. Ärger, oder Anhaftung, bspw. Gier, gehe ich tiefer. Suche nach meinem Beitrag. Suche nach Lösungen für jetzt und für die Zukunft. Äußere ich Ärger, versuche ich so schnell es mir möglich ist, diesen wieder einzufangen. Umgekehrt bemühe ich mich immer mehr um Mitgefühl, Mitfreude, sowie liebende Güte. Schaffe ich das nicht mir oder meinem Gegenüber entgegen zu bringen, hake ich nach. Woran liegt es?

 

Fehlen mir die Antworten, frage ich, oder ich lese nach.

 

Mache ich schon alles wie ich es will? Nein. Könnte ich noch mehr tun? Sicher.

Es ist für mich ein Weg, den ich gehe und auch noch länger gehen möchte. Mit jedem Schritt erreiche ich ein Teilziel. Empfinde Freude und Befriedigung.

 

Damit ich meine Gedanken und Emotionen reflektieren, die Situation wahrnehmen kann, bedarf es an…

 

 

3. Achtsamkeit

Ich unterbreche den Alltagsfluss immer öfters. Fühle in meinen Körper. Ist er entspannt? Vielleicht verspannt? Wenn er verspannt ist, wo genau? Das mache ich in der U-Bahn, am Arbeitsplatz, in Gesprächen, wenn ich gehe, … . Für mich ist bspw. eine Verspannung der Bauchdecke oder der Schultern ein Zeichen für negative Gefühle. Wenn meine Empfindungen „unrund“ sind, wenn ich nicht ausgeglichen bin, dann merke ich das schnell auch über meinen Körper. Er verspannt sich.

 

Ebenso ist es mit meinen Empfindungen. Wie geht’s im Augenblick? Fühle hinein. Forsche nach, was ist. Das mache ich nicht nur, wenn ich was Tolles erlebe und die Situation „aufsaugen“ will. Auch wenn es mir nicht gut geht, ich die Situation unangenehm empfinde, schaue ich genau hin. Versuche die Situation einmal anzunehmen wie sie ist. Um danach zum Weshalb zu kommen und was ich tun - was ich daraus lernen kann.

 

Und wie sieht’s vor allem in meinem Kopf aus. Es gab und sie gibt es noch immer, Zeiten in denen mein Kopfkino extrem war/ist. Da sitze ich dann manchmal mit jemanden und höre zu. Ein paar Worte und das Kopfkino fängt an. Habe Schwierigkeiten dem Anderen weiter zu folgen. Manchmal verliere ich mich dann in der Zukunft und in der Vergangenheit. Was zu tun ist und was passiert war. Oder ich verliere mich in Antworten, die ich geben „mag“. Du hast ein Problem, da ist die Lösung. Du hast dies und jenes Erlebt, das habe ich erlebt. … Ich bin dann geistig nicht wirklich anwesend in der sozialen Situation. Das führt mich zur nächsten Fähigkeit…

 

 

4. Sammlung, Konzentration

Monkey-Mind oder Affengeist – als ich diesen Begriff zum 1-sten Mal las, konnte ich nicht soviel damit anfangen. Erst als ich anfing zu meditieren wurde mir bewusst, wie sehr meine Gedanken, meine Aufmerksamkeit, von einem Thema zum anderen sprangen. Selbst wenn ich an einem ruhigen Ort mit geschlossenen Augen saß, also wenig Außenreize wahrnahm, hüpften meine Gedanken wie wild herum. Und das machen sie noch immer, auch wenn ich meditiere. Manchmal mehr, manchmal weniger. Ich konzentriere mich beim Meditieren auf meine Atmung. Wenn ich einen unruhigen Geist habe, dann zähle ich zusätzlich die Atemzüge. Es gibt Zeiten, da komme ich nicht einmal bis zum 2-ten Atemzug ohne, dass mich ein Thema ablenkt.

 

Ich meditiere leider nicht regelmäßig. Es gibt Wochen, Monate, da setzte ich mich nahezu täglich hin und dann wieder Wochen und Monate, wo ich mich gar nicht hinsetze. Was ich allerdings immer wieder zwischendurch mache ist, dass ich ein paar Sekunden/Minuten mich auf den Atem konzentriere. Das während ich gehe, in der U-Bahn stehe oder sitze, wenn ich in einer Warteschlange stehe oder einfach sonst an einem beliebigen Ort in einer beliebigen Stellung.

 

Meditieren, bzw. mich auf den Atem konzentrieren tut mir gut. Ich werde ruhiger und gelassener. Weshalb ich die Sitzmeditation nicht öfters mache, obwohl es mir gut tut? Ich weiß es nicht genau. Meist ist es Gewohnheit, Faulheit. Verrückt, oder? Tiefe Einsichten habe ich durch die Meditation noch nicht erfahren. Wiewohl ich in einigen Sitzungen eine Verbundenheit mit meiner Umgebung empfunden habe, die ich so noch nicht erlebt habe. Auch konnte ich dadurch eine gewisse „Distanz“ zu meinen Gedanken und Emotionen aufbauen. Dadurch dass diese kommen und gehen, war ich nicht so gefangen. Die Identifikation mit Ihnen ist nicht so stark gegeben.

 

Insgesamt sehe ich Meditation, Sammlung, Konzentration als sehr wichtig an. Auch wenn ich dadurch noch keine so tiefen Einsichten gewonnen habe, welche über die Rationalität hinausgehen – oder? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht genau. Womit ich zur nächsten Fähigkeit komme…

 

 

5. Weisheit

Wenn ich mich einem Thema widme, dann beginne ich meist mit lesen, hören und schauen. Ich versuche ein Verständnis dafür aufzubauen, welches auf Basis von Rationalität beruht. Die Intuition kommt meist (viel) später dazu. So erlebe ich es auch, wenn ich mich mit Buddhismus beschäftige. Ich habe einige Bücher gelesen. Tausche mich regelmäßig über buddhistische Themen aus. Ein gewisses Maß an Sicherheit habe ich bisher gewonnen. Angeblich, so wurde mir gesagt, habe ich auch mittlerweile eine gute Intuition, was heilsam und was unheilsam ist. Ich vertraue nun auch meiner inneren Stimme, dem Bauchgefühl.

 

Bin ich weise? Es fällt mir schwer, diese Frage zu beantworten. Ich erfahre hin und wieder „lichte“ dann wieder „dunkle“ Momente. Ich weiß mehr, als ich durch Handlungen zeigen kann. Es ist wie bei einem PS-starken Motor – der die PS nicht so ganz auf die Straße bringt. Mir sind die 4 Edlen Wahrheiten vertraut, ebenso der 8-fache Weg. Ich habe ein Gefühl für Anhaftung, Ablehnung und Verblendung – ebenso für liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut – Vergänglichkeit und bis zu einem bestimmten Punkt Leere.

 

Eben lächle ich. Es erfüllt mich gerade wieder mit Freude... und jetzt Dankbarkeit.

 

 

Ich bin begeistert

 

Ich bin begeistert, weil ich sehe, dass etwas Gutes entsteht. Die 5 Fähigkeiten greifen ineinander – pushen mich weiter. Ich vertraue, allerdings nicht ohne Prüfung, das wäre ein unkritisches, blindes Vertrauen. Die Kombination Vertrauen und Prüfung, führt zur Weisheit. Sammlung ohne Tatkraft kann zu Trägheit führen – umgekehrt kann Tatkraft ohne Sammlung Ruhelosigkeit bedeuten. Achtsamkeit ohne Weisheit, kann zu Anhaften führen – wieso? – weil angenehme Erlebnisse stärker, positiver erlebt werden. Es besteht die Gefahr nicht mehr loslassen zu wollen. So kann man die 5 Fähigkeiten miteinander in Beziehung stellen. Eine Fähigkeit ohne die anderen, fühlt sich nicht vollständig an. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis. Und wenn diese Ausgewogenheit vorhanden ist, dann, ja dann bringt ein PS-starker Motor, die PS auch auf die Straße.

 

Kannst Du Begeisterung beim Lesen und Nachdenken der 5 Fähigkeiten empfinden? Kannst Du Dir beim Verfolgen dieser Fähigkeiten ein glücklicheres, friedlicheres Leben vorstellen?


(30.04.2015)


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