Die vier Unermesslichen

Die vier Unermesslichen haben für mich eine besondere Anziehungskraft. Sie sind aus meiner Sicht eine kurze und prägnante "Anleitung" zum Umgang mit anderen Lebewesen, als auch zum Umgang mit einem selbst.

 

Als ich sie die ersten Male gelesen habe dachte ich mir: Ja eh klar, da gibt es nichts zu hinterfragen. Mittlerweile sehe ich das nicht mehr so und ich versuche immer mehr Klarheit zu erlangen, was die Worte bedeuten, ob und welche Grenzen vorhanden sind, welche Gefahren ggf. nicht auf den 1-sten aber auf den 2-ten Blick lauern und wie die praktische Anwendung in diversen alltäglichen Situationen sein könnte.

 

Hilfreich bzgl. Empfinden fand ich eine Erzählung, bei der die vier Unermesslichen den Umgang/ die Gefühle/die Gedanken einer Mutter zu ihrem Kind beschrieb. Die lautete in etwa so:

 

1) Liebende Güte

Eine Mutter, die das Kind schlafen sieht und wohlwollen verspürt, dass es diesem gut ergeht.

 

2) Mitgefühl

Die gefühlsmäßige Antwort einer Mutter, wenn das Kind krank ist oder es ihm emotional schlecht geht.

 

3) Mitfreude

Die Empfindungen einer Mutter, welche sieht, wie das Kind zu laufen beginnt, oder auch etwas anderes schafft.

 

4) Gleichmut

Das Erleben einer Mutter, wenn das Kind heranwächst und selbst sowohl gute als auch schlechte Entscheidungen trifft, und sie erkennt, dass sie nicht mehr so viel Einfluss darauf hat.

 

Nun gut, die Art der Empfindung scheint mir mit diesem "Vergleich" näher gebracht worden zu sein, allerdings gibt es nun Grenzen bei den vier Unermesslichen?

 

Aus meiner Sicht sind die Grenzen jene welche Leid fördern. Bspw. ist die Grenze der Mitfreude dort, wo jemand Handlungen gesetzt hat, welche zu Leid führten und dieser sich darüber freut. Hier ist aus meiner Sicht kein Platz für Mitfreude. Ebenso bei Mitgefühl, wo jemand leidet, weil er durch Handlungen anderen kein Leid zuführen konnte und deswegen selbst leidet. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich für den Menschen als Ganzes kein Mitgefühl aufbringen kann, oder zumindest Mitgefühl im Bezug zur "Verblendung" dieses Menschens.

 

Wie sieht es mit Gefahren aus, welche durch ein Missverständnis der vier Unermesslichen entstehen können?

 

Hier fällt mir als erstes Mitgefühl ein, wenn dieses als Mitleiden, interpretiert oder erlebt wird. Für mich ist das mitunter ein schmaler Grad und so ganz im Klaren bin ich mir beim Erleben von Mitgefühl nicht, ab wann es in Mitleiden übergeht. Weiters habe ich bei den vier Unermesslichen Liebende Güte anstatt Liebe gewählt, welche auch mitunter angeführt wird. Grund ist aus meiner Sicht die Gefahr der Anhaftung, die bei Liebe entstehen kann. Liebende Güte erscheint mir diesbzgl. nicht so "gefährlich". Bei Gleichmut fällt mir sofort Gleichgültigkeit ein. Auch hier fällt mir eine Abgrenzung im Erleben manchmal schwer. Ich habe meine Erlebnisse nicht nur einmal hinterfragt, ob es nun Gleichmut ist, oder in die Gleichgültigkeit geht, was ich empfinde.

 

Gleichmut scheint mir der Rahmen zu sein, in dem die anderen drei Unermesslichen zu betrachten/erleben sind. Aus meiner Sicht ist das "sinnvolle" Erleben der vier Unermesslichen vergleichbar damit, dass man inmitten eines Flusses steht. Man spürt zwar die starke Strömung (--> Liebende Güte, Mitgefühl & Mitfreude) , man steht allerdings felsenfest darin und wird nicht mitgerissen (--> Gleichmut).

 

Wie siehst Du die vier Unermesslichen? Welche Grenzen und Gefahren gibt es aus Deiner Sicht?

 

(04.02.2015)


Kommentar schreiben

Kommentare: 0