Bucket List – 3 Fragen

Ich habe mir schon öfters überlegt, ob ich eine Bucket List erstellen mag.

 

Hast Du schon eine?

 

Falls Du keine Ahnung hast, was das ist: es sind Dinge, Erlebnisse, Ziele die man vor seinem Tod noch haben, erlebt oder erreicht haben will.

 

Irgendwie verspüre ich einen inneren Widerstand eine Bucket List zu erstellen. Somit habe ich noch keine.

 

Weshalb der innere Widerstand?

 

Es hat auf alle Fälle nichts mit der Auseinandersetzung mit dem Tod zu tun. Damit habe ich keine Schwierigkeiten, denke ich habe einen einfachen Zugang dazu. Wenn er da ist, bin ich nicht mehr da – mit all den damit verbundenen Konsequenzen.

 

Vielmehr stellen sich mir die Fragen:

  1. Was ist so wichtig, dass ich es unbedingt auf diese Liste schreiben will?
  2. Was ändert sich, wenn ich einen Punkt auf dieser Liste „abgehackt“ habe?
  3. Ist der Weg das Ziel?  Oder vielleicht doch: ist das Ziel das Ziel?

 

 

Was ist so wichtig, dass ich es unbedingt auf diese Liste schreiben will?

 

Ist es ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen – die klassische Bucket List eines Mannes? Die Welt umsegeln, einen Marathon laufen, den höchsten Berg der Welt erklimmen?

 

Egal an was ich denke, es gibt immer wieder diesen einen Einspruch: Wäre vielleicht fein, aber als notwendig sehe ich das nicht an.

 

 

Was ändert sich, wenn ich einen Punkt auf dieser Liste „abgehackt“ habe?

 

Ich habe mein Ziel dann wohl erreicht, aber was bedeutet das? Was ist der tiefe Sinn dahinter?

 

Eigentlich geht es ja nicht um das Erreichen eines Ziels, sondern um Werte oder Emotionen, die mit Erreichen des Ziels verbunden sind. So ein Ziel hat ebenso wenig wie Geld einen Selbstzweck. Aber um welche Werte und Emotionen handelt es sich  da? Freude, Freiheit, Sicherheit, Stärke, Lebendigkeit,… .

 

Nach ein paar Gedankensprünge weiter gibt es für mich eigentlich nur noch zwei allgemeine Ziele:

 

  • Ich möchte Leid vermeiden
  • Ich möchte Glück erfahren

 

 Gut jetzt könnte ich wieder den Weg zurückgehen und mich fragen, wie vermeide ich Leid und wie erfahre ich Glück. Es ist wohl möglich einzelne Ziele zu definieren, aber wie sehr macht das Sinn?

 

Schränke ich mich nicht von einer nahezu unendlichen Anzahl von Möglichkeiten auf ein paar wenige ein? Gewichte ich damit nicht einzelne Ziele stärker, ohne wesentlichen Grund? Und vor allem: wenn das tatsächlich meine Ziele sind (Leid vermeiden, Glück erfahren) kann ich da nicht auf was Bestehendes zurückgreifen?

 

Ich kann auf die Inhalte des Buddhismus zurückgreifen. Eine Bucket List um Leiden zu vermeiden und Glück zu erfahren. Ein guter Einstieg ist die Beschäftigung mit dem Edlen achtfachen Pfad, den Vier Unermesslichen,… . Wobei, das ist nicht nur ein Einstieg, sondern ist auch der Weg um diese Ziele zu erreichen.

 

Ich könnte ebenso das Ziel „Erleuchtung erlangen“ auf meine Bucket List schreiben. Was mich zur 3-ten und letzten Frage führt.

 

 

Ist der Weg das Ziel? Oder vielleicht doch: ist das Ziel das Ziel?

 

Wie so oft, kommt es wohl darauf an.

 

Für meine oben definierten Ziele: Leid vermeiden, Glück erfahren bzw. Erleuchtung erlangen ist der Weg das Ziel. Im Zuge des Weges erfahre ich weniger Leid, mehr Glück. Wenn man so will, sind unendlich viele Teilziele möglich – bspw. mich in bestimmten Situationen nicht mehr (so viel) Ärgern, Glück bei auch einfachen Tätigkeiten zu empfinden.

 

Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass bei bestimmten Zielen zumindest ein bestimmter Punkt erreicht werden muss, damit das Ziel erreicht ist – und alles davor nicht schon eine (Teil-)Zufriedenheit mit sich bringt. Bspw. wenn ich als Ziel habe, mich Selbstständig zu machen und davon leben zu können.

 

Klar gibt es dabei sinnvolle Erfahrungen, bevor das Ziel erreicht ist, aber schlussendlich, wenn ich in den roten Zahlen bin, habe ich das Ziel einfach nicht erreicht und muss ggf. nebenbei noch Arbeiten oder andere um finanzielle Unterstützung bitten.

 

Und hier komme ich wieder zurück auf Werte und Emotionen: weshalb möchte ich mich Selbstständig machen und davon leben können? Ist es finanzielle Freiheit, Verantwortung, eigener Herr sein, … und kann ich das nicht auch mit anderen Ziel erreichen? Vielleicht sogar einfacher?

 

(02.01.2016)

 


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