Kick me

Die fortwährende Suche nach einem neuen Kick:

  • Reisen, Abenteuer, Sex, Konsumgüter, ...
  • Ablenkung pur - alles meist nur kurzfristig
  • Leidenschaft für das Tun, egal was es ist

 

Ich liege auf der Terrasse. Die Sonne wärmt meinen Körper. Ich schließe die Augen. Höre Vögel zwitschern. Der Wind streichelt mein Gesicht. Ich atme tief ein - atme langsam aus. In der Ferne höre ich Autos fahren. Bleibe bei meinem Atem. Ich entspanne mich, empfinde Glück.

Ich empfinde Freude. Brauche nichts Besonderes dazu. Und dann, dann gibt es Zeiten da steigt Unruhe in mir auf. Bin nicht in meinem Gleichgewicht. Brauche Ablenkung. Kaufe mehr oder weniger sinnlosen Kram. Schaue mehr oder weniger dumpfes Fernsehen. Spiele mehr oder weniger stumpfe Spiele. Lasse mich berieseln.

 

Hin und wieder brauche ich auch einen kleineren oder größeren Kick, was Besonderes. Einen tollen Urlaub. Bei mir war es eine Woche mit einem  5 Tonnen-Bagger, ein Grundstück umgraben.  Mit einer Axt einen Baum fällen, oder mit der Motorsäge (bin ein Stadtmensch).

 

Abenteuer. Hemmungsloser Sex. Einen Film oder Blog bei dem es um eine Art Revolution geht. Ausbrechen, Aussteigen alles hinter sich lassen, oder alles umkrempeln. Lasse mich träumen und…

 

Kick me!

Reiß' mich raus aus dem Alltag. Weshalb eigentlich? Klar ist es in Ordnung mal etwas Besonderes zu erleben. Manchmal erscheint es mir, dass es zum Zwang wird. Ich beobachte es auch bei anderen. Die Suche nach einem Kick. Der Alltag reicht nicht. Es wird wochenlang auf einen Urlaub gewartet. Die Zeit bis dahin kann nicht schnell genug vergehen!

 

Oder neue Schuhe, ein neuer Laptop, neues Auto, ein neuer Job, eine neue Beziehung... für was? Für den kurzen oder vielleicht ein wenig längeren Kick... Und nach der kurzen oder ein wenig längeren Zeit - wieder alles beim Alten. Bis zum nächsten... Kick me, please!

 

„Eigentlich haben wir alles in uns, um glücklich sein zu können.“

 

Ohne diesen Kick von außen. Wir leben allerdings in einer Konsumgesellschaft. Die gaukelt uns von klein an vor, was wir alles nicht brauchen. Und wir gehen jahrelang in Schulen und vielleicht sogar Universitäten. Lernen Jahre mehr oder wenig Brauchbares für unser Leben.

 

Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass wir lernen:

  • Wie wir einfach glücklich sein können.
  • Was es mit Achtsamkeit auf sich hat.
  • Wie Meditation funktioniert.
  • Weshalb wir gut genug sind.
  • Weshalb liebende Güte, Mitgefühl und Mitfreude besser sind als Konkurrenzdenken.
  • Weshalb Gleichmut besser ist als Aufgeregtheit, Ärger, aber auch positive Ekstase.

 

Und das böse daran ist... wir haben uns daran gewöhnt, haben derartige Sichtweisen und Glaubenssätze übernommen. Es fällt mir manchmal schwer, diese vorgegangenen Wege nicht nach zu laufen. Zu erkennen, dass diese nur im Kreis führen und das eigentliche Hamsterrad sind.

 

Letztens wollte ich eine Bucket List erstellen - war oder ist ja noch so modern. Brauche ich auch, wenn ich ein erfülltes Leben haben will, oder? Nach kurzer Zeit kam mir der Gedanke: „Das ist ja wie wenn ich das 100-ste Spielzeug haben muss. Oder eigentlich 10-20 weitere…

 

Aus meiner Sicht ist dieser Bucket List Trend ein Spiegelbild oder besser eine Fortführung, Entwicklung (positiv?) dieser Konsumgesellschaft.

 

„Es ist nicht wichtig was wir tun, sondern wie wir es tun. Mit welcher Einstellung. Mit wie viel Achtsamkeit.“

 

Und auf's neue. Ich liege im Bett. Schließe die Augen. Höre Vögel zwitschern. Es riecht nach Regen. Ich atme tief ein - atme langsam aus. Es fängt an zu regnen. Bleibe bei meinem Atem. Ich entspanne mich. Ich empfinde Glück.

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0